Die inhaltliche Struktur der Weiterbildung ist nicht beliebig, sondern in der bundeseinheitlichen Prüfungsverordnung festgelegt. Jeder zugelassene Bildungsträger unterrichtet dieselben Themen, auch wenn sich Didaktik, Reihenfolge und Gewichtung unterscheiden. Diese Seite listet die Inhalte in drei Blöcken auf – so, wie sie tatsächlich im Lehrgang behandelt und in der Prüfung abgefragt werden.
Block 1: Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikation
Die Basisqualifikation ist der erste Prüfungsteil und deckt fünf Handlungsfelder ab, die für alle Industriemeister gelten.
Rechtsbewusstes Handeln: Grundzüge des Zivilrechts (Vertragsrecht, Gewährleistung, Haftung), Handelsrecht, Arbeitsrecht (Arbeitsvertrag, Kündigung, Urlaub, Entgeltfortzahlung), Kollektivarbeitsrecht (Betriebsrat, Tarifvertrag, Mitbestimmung), Produkthaftung, Grundzüge des Unternehmensrechts. Das Ziel ist nicht, Paragraphen auswendig zu können, sondern die typischen Rechtsfragen im betrieblichen Alltag einordnen und Konsequenzen einschätzen zu können.
Betriebswirtschaftliches Handeln: Grundlagen der Kostenrechnung (Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger), Deckungsbeitragsrechnung, Kalkulation, Investitionsrechnung (statische und dynamische Verfahren), Finanzierungsformen, Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung lesen, Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung. Der Stoff ist für viele Elektrotechniker neu und muss mit Zahlen geübt werden.
Methoden der Information, Kommunikation und Planung: Projektmanagement, Arbeitsmethoden, Moderations- und Präsentationstechniken, strukturierte Problemlösung, IT-Grundlagen im betrieblichen Einsatz. Dieser Block ist methodisch – er lehrt, wie man Probleme strukturiert angeht und Ergebnisse nachvollziehbar dokumentiert.
Zusammenarbeit im Betrieb: Führungsgrundlagen, Motivation, Kommunikation, Teamentwicklung, Konfliktmanagement, Organisationsformen, Führungsstile. Vieles überschneidet sich mit der handlungsspezifischen Qualifikation, aber hier geht es um die Grundlagen.
Naturwissenschaftliche und technische Gesetzmäßigkeiten: Allgemeine physikalische, chemische und mathematische Grundlagen, soweit sie in allen Industriemeisterrichtungen relevant sind. Dieser Block ist für Elektroniker meist unproblematisch, weil das Niveau nicht über die bereits vorhandenen Grundlagen hinausgeht.
Block 2: Handlungsspezifische Qualifikation Elektrotechnik
Die handlungsspezifische Qualifikation ist der zweite und umfangreichste Prüfungsteil. Sie deckt drei Handlungsfelder mit je spezifischen Inhalten ab.
Handlungsfeld Technik
Betriebstechnik: Elektrische Energieversorgung im Betrieb, Niederspannungsnetze, Schaltanlagen, Transformatoren, Blitzschutz, Energieverteilung, Schutzmaßnahmen, Ersatzstromversorgung, Energieeffizienz.
Fertigungs- und Montagetechnik: Herstellprozesse elektrotechnischer Produkte, Baugruppenfertigung, Prüfverfahren, Werkstoffkunde im Elektrobereich, Qualitätskontrolle, Fertigungsautomatisierung.
Instandhaltung: Instandhaltungsstrategien (reaktiv, präventiv, zustandsorientiert, vorausschauend), Fehlerdiagnose, Zuverlässigkeitsberechnung, Ersatzteilmanagement, Instandhaltungsplanung.
Montage- und Installationstechnik: Elektroinstallation in industriellen Anlagen, Verkabelungstechnik, Kabel- und Leitungsauswahl, Installationsnormen, Dokumentation.
Steuerungs- und Regelungstechnik: Steuerungsprinzipien, Regelkreise, SPS-Programmierung, Visualisierung, Feldbussysteme, Industrie 4.0 und digitale Vernetzung.
Kommunikations- und Datenverarbeitungstechnik: Industrielle Kommunikationssysteme, Netzwerke, IT-Sicherheit im Produktionsumfeld, Schnittstellen zwischen Produktion und übergeordneten Systemen.
Handlungsfeld Organisation
Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Gesundheitsschutz: Rechtliche Grundlagen (ArbSchG, UVV, DGUV V3, BetrSichV), Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, Arbeitsplatzgestaltung, Umweltschutz in der Produktion, Entsorgung elektrotechnischer Komponenten.
Planung, Durchführung und Kontrolle: Produktionsplanung, Arbeitsvorbereitung, Zeit- und Kapazitätsplanung, Ablauforganisation, Qualitätsmanagement, Dokumentationspflichten.
Betriebliches Kostenwesen: Kostenkontrolle im eigenen Bereich, Kennzahlen der Produktion, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen bei Investitions- und Instandhaltungsentscheidungen, Budgetverantwortung.
Handlungsfeld Führung und Personal
Personalführung: Führungsgrundlagen, Führungsstile, Führungsinstrumente, Mitarbeitergespräche, Konfliktmanagement, Kommunikation im Team.
Personalentwicklung: Qualifizierungsbedarf ermitteln, Entwicklungsmaßnahmen planen, Ausbildung steuern, Mitarbeiterbeurteilung.
Qualitätsmanagement: Qualitätssicherungsmethoden, Qualitätsdokumentation, kontinuierlicher Verbesserungsprozess, Audits.
Block 3: Ausbildereignung (AEVO)
Der dritte Prüfungsteil ist rechtlich eigenständig und entspricht der Ausbildereignungsverordnung (AEVO). Er qualifiziert den Meister formal zum betrieblichen Ausbilder. Die Inhalte sind:
Handlungsfeld 1 – Ausbildungsvoraussetzungen prüfen: Ausbildungsberufe auswählen, Eignung des Betriebs, Ausbildungsplan erstellen.
Handlungsfeld 2 – Ausbildung vorbereiten: Ausbildungsordnung verstehen, Lernziele formulieren, Einarbeitung planen, Ausbildungsnachweis führen.
Handlungsfeld 3 – Ausbildung durchführen: Lernmethoden einsetzen, Leistung beurteilen, Feedback geben, soziale und persönliche Entwicklung fördern, mit Konflikten umgehen.
Handlungsfeld 4 – Ausbildung abschließen: Prüfungsvorbereitung unterstützen, Abschlussprüfung organisieren, Übergang in den Beruf begleiten.
Die AEVO-Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Der praktische Teil ist ein 30-minütiges Prüfungsgespräch, in dem der Kandidat eine Ausbildungssituation vorstellt.
Methodische und soziale Inhalte
Neben den fachlichen Themen bauen gute Lehrgänge methodische Kompetenzen auf, die in der Prüfung implizit abgefragt werden. Dazu gehören strukturiertes Problemlösen, Zeitmanagement unter Druck, schriftliche Ausarbeitung von Fallstudien, mündliche Präsentation unter Prüfungsbedingungen und der Umgang mit Gruppen in Lern- und Arbeitskontexten.
Diese Kompetenzen werden nicht in eigenen Modulen unterrichtet, sondern entwickeln sich im Lauf des Lehrgangs. Gute Lehrgänge bauen sie durch Fallarbeit, Präsentationsübungen und Simulationen der mündlichen Prüfung aktiv auf.
Häufige Fragen
Typischerweise 800 bis 1.200 Unterrichtseinheiten im Lehrgang, je nach Anbieter und Format. Hinzu kommt Selbststudium im ähnlichen Umfang.
Für die meisten Teilnehmer ist die Basisqualifikation der erste Schock – sie enthält viel neuen Stoff zu Recht und Betriebswirtschaft. Die handlungsspezifische Qualifikation ist inhaltlich tief, aber technisch vertrauter.
Der Pflichtstoff ist bundeseinheitlich, die didaktische Umsetzung unterscheidet sich. Gute Anbieter arbeiten stärker mit Fallbeispielen und Prüfungsaufgaben.
Ja, zunehmend. Themen wie Industrie 4.0, IT-Sicherheit in der Produktion, vernetzte Fertigung und datenbasierte Instandhaltung sind in modernen Lehrgängen eingeflossen, auch wenn die Prüfungsverordnung sie nur in Grundzügen beschreibt.
Nein. Die mathematischen Anforderungen liegen auf einem Niveau, das mit einer soliden Berufsschulbildung in einem Elektroberuf gut zu bewältigen ist. Wer unsicher ist, kann mit einem Mathe-Auffrischungskurs beginnen.
Nächster Schritt
Wie diese Inhalte konkret in der Prüfung abgefragt werden, steht auf der Seite Prüfung Industriemeister Elektrotechnik.