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Studium als Industriemeister Elektrotechnik

Studieren mit Industriemeister Elektrotechnik: Hochschulzugang, Studiengänge und Anerkennung auf dem Weg zum Ingenieur – alle Antworten.

Der Industriemeister Elektrotechnik ist auf der Stufe eines akademischen Bachelors eingeordnet – und das ist nicht nur Symbolik: Er öffnet den regulären Hochschulzugang auch ohne Abitur. Wer nach dem Meister noch einen Schritt weitergehen will, hat eine Reihe attraktiver Studienwege zur Auswahl. Diese Seite erklärt, wie der Hochschulzugang funktioniert, welche Studiengänge typisch sind und worauf bei der Entscheidung für oder gegen ein Studium zu achten ist.

Der Hochschulzugang mit Meistertitel

Der Geprüfte Industriemeister berechtigt in allen Bundesländern zum Hochschulstudium, ohne Abitur und ohne Aufnahmeprüfung. Diese Gleichstellung ist bundesweit gesetzlich geregelt und gilt für alle staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen. Die Regelungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern in Details – zum Beispiel darin, ob der Zugang auf fachnahe Studiengänge beschränkt ist oder ob jedes beliebige Studium offensteht.

In der Praxis bedeutet das: Ein Meister kann in der Regel direkt in einen technischen Studiengang (Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, Mechatronik) einsteigen. Für fachfremde Studiengänge ist manchmal ein Beratungsgespräch oder eine Eignungsprüfung nötig. Die konkreten Regelungen stehen im Hochschulgesetz des jeweiligen Bundeslandes. Vor der Bewerbung lohnt sich ein Blick in die Studien- und Zulassungsordnung der gewählten Hochschule.

Typische Studiengänge

Fünf Studiengänge werden von ehemaligen Industriemeistern besonders häufig gewählt.

Elektrotechnik ist der naheliegendste Studiengang und knüpft direkt an das Fachwissen aus der Ausbildung und dem Meister an. Die Schwerpunkte variieren zwischen Hochschulen: Energietechnik, Automatisierung, Nachrichtentechnik, Regelungstechnik. Wer im technischen Bereich weiterkommen will und später als Ingenieur arbeiten möchte, findet hier die direkteste Route.

Wirtschaftsingenieurwesen kombiniert technisches und betriebswirtschaftliches Wissen. Die Kombination ist attraktiv für Meister, die nicht ausschließlich tiefer in die Technik einsteigen, sondern ihre Perspektive um Managementthemen erweitern wollen. Dieser Studiengang passt gut zu Meistern, die später in Projektleitung, technischen Vertrieb oder Produktionsmanagement wollen.

Maschinenbau ist eine Option für Meister, deren Arbeitsfeld stark mit mechanischen Komponenten gekoppelt ist – zum Beispiel in der Automatisierung, im Anlagenbau oder in der Fertigungstechnik. Die Grundlage in der Elektrotechnik bleibt erhalten und wird durch den Maschinenbau ergänzt.

Mechatronik verbindet Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik. Für Meister, die in modernen automatisierten Umgebungen arbeiten und das fachliche Profil verbreitern wollen, ist Mechatronik eine logische Wahl.

Technische Betriebswirtschaft oder Betriebswirtschaft ist eine Option für Meister, die den Fokus bewusst auf das Management verlagern wollen. Der Übergang von Technik zu BWL ist aber nicht ohne, besonders wenn die mathematische Grundlage stark technisch-praktisch war.

Studienformate

Drei Formate stehen zur Wahl.

Vollzeitstudium an einer Hochschule ist die klassische Form: sechs bis sieben Semester Bachelor, danach gegebenenfalls Master. Der größte Nachteil: Einkommensausfall während der Studienzeit. Wer Familie oder finanzielle Verpflichtungen hat, kommt mit dieser Option meist nicht weiter, auch wenn Aufstiegsstipendien und BAföG helfen können.

Berufsbegleitendes Studium an einer der spezialisierten Hochschulen (FOM, Wilhelm Büchner, AKAD, IU, Hamburger Fern-Hochschule HFH) ist für Meister die häufigste Wahl. Die Studiengänge sind auf Berufstätige zugeschnitten: Präsenzphasen an Wochenenden, Online-Module, Selbststudium. Die Studiendauer liegt meistens bei sieben bis zehn Semestern, je nach Arbeitsbelastung und persönlicher Lerngeschwindigkeit.

Duales Studium ist für Meister selten sinnvoll, weil es eigentlich auf Auszubildende abzielt. Einige Kombinationen aus Beruf und Studium mit vertraglicher Bindung zum Arbeitgeber existieren aber und können eine attraktive Finanzierungsform sein.

Anerkennung von Vorleistungen

Viele Hochschulen erkennen Leistungen aus dem Industriemeister auf das Studium an. Die Anerkennung ist nicht bundeseinheitlich geregelt und hängt von der einzelnen Hochschule ab. Typisch sind Anerkennungen von 10 bis 30 ECTS-Punkten – das entspricht etwa einem halben Semester. Einige Hochschulen bieten spezielle "Meister-Programme" oder "Techniker-Brücken" an, in denen der Studienplan verkürzt wird. Vor der Immatrikulation lohnt sich ein Gespräch mit der Studienberatung und eine schriftliche Anfrage zur Anerkennung.

Wer sollte überhaupt studieren?

Die Frage ist wichtiger als sie klingt. Nicht jeder Meister profitiert von einem Studium. Drei Situationen sprechen deutlich dafür.

Erstens: Wer in einem Konzern arbeitet, in dem der Ingenieurstitel für den nächsten Karriereschritt formal verlangt wird. In diesen Fällen ist das Studium nicht optional, sondern der Pflichtzugang zur nächsten Stufe.

Zweitens: Wer sich fachlich so spezialisieren will, dass die Breite eines Meisters nicht reicht – zum Beispiel in der Forschung, Entwicklung oder strategischen Technologieplanung. Das Studium liefert Tiefe, die der Meister bewusst nicht anstrebt.

Drittens: Wer später in ein ganz anderes Umfeld wechseln will – zum Beispiel in die Unternehmensberatung, in das technische Controlling oder in die akademische Lehre. Solche Wechsel sind ohne Studium schwer.

Gegen das Studium sprechen hingegen zwei Konstellationen. Wer im mittelständischen Betrieb erfolgreich ist und dort ohne weiteres bis zur Produktionsleitung aufsteigen kann, gewinnt durch ein Studium oft wenig – die Zeit und das Geld wäre an anderer Stelle besser investiert. Und wer die Doppelbelastung aus Beruf und Studium bereits im Meisterlehrgang als zu hart empfunden hat, sollte sich nicht noch einmal in eine solche Situation begeben, ohne die persönlichen Ressourcen neu zu bewerten.

Häufige Fragen

Brauche ich für ein Studium Mathe-Vorkenntnisse über das Meister-Niveau hinaus?

In technischen Studiengängen ja. Die Mathematik an Hochschulen geht deutlich tiefer als die Mathematik im Meister-Lehrgang. Viele Hochschulen bieten Vorkurse an – die Teilnahme lohnt sich für Meister in fast allen Fällen.

Wie lange dauert ein berufsbegleitendes Studium realistisch?

Acht bis zehn Semester sind typisch. Wer jünger und ohne Familie ist, kann es in sechs bis sieben Semestern schaffen. Wer beides nicht mitbringt, plant eher zehn bis zwölf.

Was kostet ein berufsbegleitendes Studium?

Die Studiengebühren der privaten Hochschulen liegen je nach Anbieter bei 10.000 bis 20.000 Euro für den gesamten Bachelor. Staatliche Hochschulen sind deutlich günstiger, bieten aber oft weniger berufsbegleitende Formate an.

Kann ich das Aufstiegs-BAföG auch für ein Studium nutzen?

Nein. Das Aufstiegs-BAföG ist auf berufliche Fortbildungen wie den Industriemeister beschränkt. Für ein Studium kommen BAföG, Aufstiegsstipendium oder andere Instrumente in Frage.

Ist der Meister plus Studium mehr wert als ein direktes Studium nach Abitur?

Beide Wege führen zu gleichwertigen Abschlüssen. Der Meister plus Studium bietet mehr Praxiserfahrung und oft eine schärfere Berufsorientierung. Auf dem Arbeitsmarkt wird beides geschätzt.

Nächster Schritt

Wer keinen elektrotechnischen Ausbildungshintergrund hat, aber den Weg zum Meister prüfen will, findet die nötigen Informationen zur Neuausrichtung auf der Seite Umschulung Industriemeister Elektrotechnik.